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Wie aus dem Ei gepellt

Ein neuer Tag hat begonnen: Halali und Eidadaus! Frisch, fromm, fröhlich und voller Elan starte ich diesen Samstag, an dem ich so viel schaffen will! Mein Motto: Sport, Sport, Sport! Bewegung! Joggen, Hiken, Biken, Berge rauf und runter robben! Und anschließend ins Fitness-Studio. Ja, so krank kann man sein.

Ich hab bis 12 friedlich geschlummert, mich dann langsam auseinander gefaltet und seitdem gefrühstückt. Nun ist es fast 2 und ich bin noch immer etwas zerknittert. Aber das macht ja nichts, es ist ja Samstag, und das ist mein Lieblingstag. Ich bin schließlich an einem Samstag geboren und nicht nur deshalb ist mir dieser Tag heilig.

Erst gestern Abend haben wir festgestellt, dass sich gleich vor unserem Haus, also zwischen dem Park und und dem kleinen Yachthafen ein ganz kleiner Strandabschnitt befindet. Schon seit einiger Zeit war uns aufgefallen, dass aus der Ecke am Abend leicht hysterisches Gegacker zu vernehmen war. Wie dem auch sei, diesen Ort haben wir gestern also unter die Lupe genommen.

Und dort einen ganzen Haufen Schauspieler kennen gelernt, die um ein Feuer saßen und Bier tranken. Diese Leute waren recht sympathisch und schienen sich sehr für unser Heimatland zu interessieren. Sie baten mich, den Satz "I got squished in a car accident. Please shoot me" auf deutsch zu übersetzen. Als ich das tat, waren sie offenbar etwas enttäuscht. Erst als ich es in hitlerschem Befehlston wiederholte, schienen sie zufrieden. So viel zum Thema Stereotypes...

In jedem Fall war es ein sehr unterhaltsamer und chilliger Abend und es wurde auch sehr spät. Aber heute ist ja Samstag.

Auf einmal sind wir übrigens zu sechst in diesem Haus, nachdem ich einen Monat lang mit Michael alleine gewesen war. Nun sind da: René aus Berlin (eigentlich Dresden), der gerade an der Vancouver Film School angefangen hat und ein begnadeter Sprücheklopfer ist. Matthias aus Tübingen, der aus dem gleichen Grund wie ich hier ist, derzeit in einem Outdoor-Store arbeitet und zuhause Rhetorik studiert. Die recht füllige Cecilia, die sich als Nanny durchschlägt, ansonsten ganz nett, wenn auch etwas redselig ist (aber man will ja englisch lernen). Andy aus Colorado, der nach seinem Abschluss in Politologie ganz schön relaxed ist. Michael, der mir viel zu schnell ist, weswegen ich bisher auch nur einmal richtig mit ihm gesprochen habe. Und ich. Mitzählen müsste man eigentlich unsere Vermieterin Joy, die eigentlich jeden Tag hier auftaucht und jeden in meistens recht sinnleere Gespräche verwickelt. Jetzt gerade streitet sie sich wieder lautstark mit Michael.

So, draussen ist wieder mal herrliches Sommerwetter und langsam zieht es mich doch weg vom Notebook. Heute Abend werden René und ich wahrscheinlich auf ein Konzert von Zero 7 gehen. Sehr relaxter Soul-Jazz-Kram, einigen vielleicht aus dem Soundtrack von "Garden State" bekannt. Das wird bestimmt cool. Demnächst gibt es noch einige gute Konzerte mehr: DJ Shadow, G Love & Special Sauce und Yo la Tengo zum Beispiel. Ich hoffe da wird jetzt niemand neidisch ;-)

So, reinhauen Leute. Im Hauptquartier gibts heute PSYCHO STOMP. Ich wäre jetzt da....
2.9.06 23:10


Geständnis: Lars G. verkauft Handys

Vancouver. Der Aachener Emigrant Lars G. hat jetzt öffentlich bekannt, in seinem kanadischen Exil Mobiltelefone zu verkaufen. Er sei jung und brauche das Geld, lautete heute seine fragwürdige Rechtfertigung. Dem Deutschen nahe stehende Personen zeigten sich erschüttert.

Kein Scheiss. Seit Dienstag verkaufe ich den Studenten an der UBC Handyverträge. Naja, irgendwas muss ich halt machen, und ich hab hier leider nicht die Auswahl, die man mir einst versprochen hatte. Ich mach mich sogar nicht einmal schlecht. In vier Tagen habe ich ungefähr 15 Handys vertickt.
Wir stehen da immer zu zweit an einem Stand und quatschen die Leute voll. Dabei ist es eigentlich eher umgekehrt. Weil Julia und ich sind beim besten Willen keine begnadeten Salespersons, also uns fehlt da ein bisschen der Wille zum Leute bescheissen. Und da wir nach einem zweistündigen Training mit anschließendem Besäufnis am Montag so gut wie keinen Plan haben, was wir da eigentlich verkaufen, kommt es ziemlich oft vor, dass wir den Leuten ein leicht beschämtes "I have no idea" entgegen.
Im Prinzip haben wir schon ein recht gutes Angebot, nur wissen wir fast nichts darüber. Weil wir überhaupt keine Details über unsere Handys und Verträge mitgeteilt bekommen haben.
Naja, die Leute kaufen trotzdem und sind auch unglaublich geil auf unsere Handys. Und wir reden nonstop. Wir müssen so viel reden, dass ich jedes Mal mit Halsschmerzen nach Hause komme und dann erstmal ne Stunde Schweigen brauche.

Was soll man sagen. Der Job ist schon eigentlich ok. Und dank der Provision (5 Dollar pro Handy) ist auch der kärgliche Stundenlohn (7 Dollar = 5 Euro netto) in Ordnung. Und außerdem hat das mit dem vielen Reden natürlich den Vorteil, endlich mal richtig in die Sprache reinzukommen. Ich glaub, ich krieg sogar nen leichten kanadischen Akzent langsam...
Nur das mit dem Verkaufen ist halt so ne Sache. Ich mag die Leute einfach nicht bescheissen, obwohl mir das von oben ständig eingebläut wird.

Ansonsten ging in letzter Zeit nicht viel, arbeitsbedingt und auch weil ich finanziell mal wieder in der Talsohle unterwegs bin.

Aber ich fühle mich hier echt sauwohl :-)
9.9.06 05:33


Ich don't wanna go home

Meine zweite Woche als Handyverkäufer ist nun fast zuende, und langsam wird es richtig gemütlich.
Diese Woche war ziemlich entspannt. Ich habe fast nichts verkauft, aber ganz neue Arbeitserfahrungen gemacht. Am Dienstag sollte ich mit einer netten Halbindianerin namens Katana an der SFU (Simon Fraser Univ.) Telefone verkaufen. Dummerweise haben wir nirgendwo unseren Stand gefunden. Stattdessen haben wir spontan entschieden, unseren ganzen Klumpatsch einzupacken und es uns auf einer Wiese gemütlich zu machen. Da haben wir dann stundenlang in der Sonne rumgehangen, sie hat mir die Sprache der Cree und ich ihr Deutsch beigebracht und am Ende hatte ich einen heftigen Sonnenbrand. Pünktlich um vier haben wir dann brav unser Material zurück gebracht und Feierabend gemacht.
Am Tag danach war ich wiederum an der SFU, diesmal mit einer sympathischen kleinen Irin namens Emma. Ich hatte total verpennt und als ich da ankam, gab es doch tatsächlich einen Stand für uns. Aber da war auch nicht viel los. Die Leute hatten offenbar keinen Bock auf unsere Handys. Also haben wir die Zeit totgeplaudert und Prominentenraten gemacht. So ähnlich war es am Donnerstag an der BCIT, wo ich mit dem Australier Steve am Werk war. Das öffentliche Interesse an unserem Angebot war schon wieder gleich null. Diesmal hatte ich meinen Laptop dabei und wir haben uns bei der Arbeit Filme angeschaut. Das war auch ganz amüsant.
Tja, so ist mein Job zurzeit. Ich könnte mich echt dran gewöhnen. Auch weil die Leute durch die Bank echt lässig drauf sind (wie man sieht).
Aber lange wird sich unser Arbeitgeber das wohl so nicht mehr leisten können. Mal schauen 

Die größte Sensation ist aber eigentlich, dass ich einen ziemlich gut dotierten Werkvertrag vom International Office bekommen werde. Wenn ich tatsächlich die genannte Summe bekommen sollte, und das noch dieses Jahr, sind sämtliche finanziellen Sorgen – und das sind nicht wenige – auf einen Schlag aus der Welt! Und noch besser ist, dass ich zumindest einen Teil der Arbeit durchaus von hier aus erledigen könnte. Das hieße also, dass ich noch eine ganze Weile in Vancouver bleiben könnte, ohne irgendwelchen Scheissjobs annehmen zu müssen. Ich könnte hier also in aller Ruhe und mit bestem Gewissen weiterhin mein sorgloses Bohemiendasein ausleben. Nächste Woche bekomme ich Fakten. Aber es ist schon völlig klar, dass ich mindestens bis Ende November bleiben werde.
Meine Idealvorstellung sieht aber so aus: Ich bleibe bis Ende Januar. Dann schreibe ich Anfang Februar eine Soziologieklausur (zum dritten Mal) und bestehe natürlich und dann mache ich ein Praktikum bis April und dann ziehe ich mein Studium durch. Ich könnte natürlich auch ein Praktikum irgendwo hier in Vancouver machen…
Man wird sehen.

Gestern Abend war ich downtown, wo wir uns mit ein paar Mitstreitern aus Deutschland getroffen und ein paar Bier getrunken haben. Wir waren in der wohl langweiligsten Kneipe der ganzen Stadt und die Leute sagten, sie würden sich in Vancouver langweilen. Sie sprachen von Kulturschock und beklagten sich über ihre üblen Jobs, für die sie nur so wenig Geld bekämen. Und sie meinten sie würden sich drauf freuen, wieder nach Hause zu kommen. Soll ich das jetzt kommentieren? Nur so viel: Es braucht wohl eine gewisse Offenheit.
Aber ich sollte vielleicht keine Sprüche klopfen. Mir scheint die Sonne halt aus dem Arsch, und man kann mich dafür hassen. Gerade habe ich eine E-Mail von meiner Mutter gelesen, in der sie sich fragt, ob ich denn "einen Pakt mit dem Universum" hätte, weil ich immer so viel Glück habe. Nicht dass ich wüsste, aber es ist schon auffällig und ich könnte darüber fast gläubig werden. Wer mich also dafür hasst, soll wissen, dass ich nicht weiß wie ich das verdient habe, dass ich es ganz demütig annehme. Irgendwann ist es vielleicht auch vorbei mit der Glücksträhne. Genug, genug, genug.

Cecilia sitzt gerade neben mir, isst und quatscht mich voll. Ich muss hier langsam mal raus. Jetzt ist Garrett hier. Wir wollen gleich Fußball spielen, Deutschland gegen Irland.
Die Sonne scheint, aber so langsam wird es hier herbstlich. Diese Woche gab es ein paar richtig graue Tage und auch Regen, und abends wird es arschkalt. Aber irgendwie hat es was Gemütliches. Dieses Jahr war der Sommer ja beinahe unendlich.

I gotta go now, somebody is videotaping me in my spaceship.

Cheers
17.9.06 02:25


Note

Damit hier auch ja kein schiefes Bild entsteht: Heute hatte ich mal einen richtig miesen Tag.

Einschlafen, aufwachen, weitermachen.
20.9.06 10:45


...und ich verstehe mich

Leute,
heute morgen habe ich wieder so eine Aktion aus der Kategorie "Typisch Lars" gebracht. Ich werd das jetzt an dieser Stelle nicht näher erläutern. Wer mich kennt, kann sich wohl so ungefähr vorstellen, dass mich der Rest der Welt mal wieder für bekloppt erklären würde.
Wie dem auch sei, es ist eigentlich alles in Ordnung und ein sonniges, frühherbstliches Wochenende steht ins Haus. Vielleicht fahre ich mit ein paar Leuten nach Vancouver Island und gucke mir mal den echten Pazifik an.

Aber gerade fiel mir ein alter Text ein, von einem Stück, das ich seinerzeit mit "Endstation Weinberg" gespielt habe. Aus gegebenem Anlass schreibe ich ihn jetzt mal hierhin.


Das Imageproblem

Morgens in der Schule gehts mir meistens ziemlich schlecht
Das sieht man mir auch an und die Lehrer haben Recht
wenn sie vermuten, dass ich nicht grad lang geschlafen hab
und womöglich Alkohol im Spiel war

Den ganzen Tag ernte ich bitterböse Blicke
obwohl ich keinem was getan hab
und immerhin hab ichs ja gepeilt
und bin sogar da!

Ich würde fast sagen ich hab ein Imageproblem
das sich darin äußert dass sie mir bei immer schwarz sehen
doch viel mehr als meins ist es eigentlich ihr Problem
denn ich komm meistens ganz gut mit mir aus

Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und ein Plan
sind nicht gerade meine Stärken
Ordnung ist nicht unbedingt mein halbes Leben
vielleicht sollte ich in Zukunft mehr
nach diesen Tugenden streben
denn wir sind in Deutschland
und auch ich bin made in Germany
Vitamin B und ein guter Ruf,
Fleiß und Unterwürfigkeit
sind im Land der Dichter und Denker
wahrlich mehr wert als Ideen
von denen gibt es schon genug,
alles schonmal da gewesen...
(Achtung, Gesellschaftskritik!!!!)

Ich würde fast sagen, ich hab ein Imageproblem
das sich darin äußert dass sie bei mir immer schwarz sehen
doch viel mehr als meins ist es eigentlich ihr Problem
denn ich komm meistens ganz gut mit mir aus
und ich verstehe mich.

In diesem Sinne. Cheers!


22.9.06 19:27


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