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Der ultimative Laberflash

So, es ist Montagnachmittag und ich liege im Bett. Heftig erkältet. Welch eine grandiose Gelegenheit, ein bisschen über das Wochenende zu schwadronieren!
Am Freitag hatten wir hier unsere erste echte Hausparty. Unser Mitbewohner Andy aus Colorado feierte seinen Abschied, denn für ihn geht die Reise nun weiter nach Asien, wo er ein paar Monate lang rumtouren wird.
Man kann sagen, dass der Pilotversuch gelungen ist: Unsere Bude ist definitiv partytauglich. Es war wirklich ganz amüsant und alle Gastgeber waren sehr betrunken. Auch einige der Gäste gaben ihr Bestes. Nur wurden wir zum zweiten Mal Zeugen eines offenbar nicht unüblichen Phänomens hier in Vancouver: So gegen halb eins machten sich fast sämtliche Gäste urplötzlich vom Acker. Also quasi zu einem Zeitpunkt, wo es in Deutschland gerade erst richtig los gehen würde. Man muss den Leuten freilich zugute halten, dass se auch fast alle pünktlich um 8 da gewesen waren. Zuhause läuft es ja eher so, dass die Leute erst so gegen 10 oder 11 eintrudeln und dann gegen 2 oder 3 langsam wieder abdampfen. Die Zeitspanne wäre somit etwa die gleiche.
Naja, wir Bewohner waren jedenfalls gerade erst richtig in Stimmung gekommen. Nun da wir aber mehr oder weniger unter uns waren, geriet ich allerdings in Garrets Fänge, will sagen, der Typ verabreichte mir ordentlich Rauchwerk. Und das zwang mich doch nach einer Weile in die Knie.

So weh das tut, mit ihm kann ich echt nicht mithalten. Der Typ fällt fast jeden Tag gleich nach der Arbeit in den nächstbesten Pub, mäandert anschließend saufend, kiffend und poppend durch Vancouver, taucht dann morgens um 7 bei uns zuhause auf und erscheint dann völlig fertig um 9.30 in der Küche, um sich wieder auf den Weg zur Arbeit zu machen. Ich weiß echt nicht wie er das macht. Ich könnte das jedenfalls nicht, und ich kenne auch keinen, der das könnte. Es muss wohl die harte irische Schule sein. Garret meinte jedenfalls, in Irland wäre er ein ziemlicher Normalo...
Noch erstaunlicher ist dabei, dass er beim besten Willen und trotz all des Messing around echt nicht auf den Kopf gefallen ist. Man kann sich mit Garret (zumindest tagsüber) über europäische Kultur und die deutsche Geschichte unterhalten. Über Letztere weiß er beinahe mehr als ich. Neulich noch hatten wir eine Diskussion über die Entstehung der deutschen Nation und wann das zu datieren sei. Über das Thema habe ich in meiner Abi-Klausur geschrieben!

Nächstes Thema

Da war ja noch was am Wochenende: Ein Konzert von G. Love & Special Sauce im Commodore Ballroom.



Darauf hatte ich mich wie Tier gefreut. Und am Samstag war es endlich so weit. Matthias kam mit, obwohl er die Band fast gar nicht kannte. Ein paar mp3s und meine Propaganda hatten ihn überzeugt.
Also wie wars?

Hm. Während des Konzerts sind mir die ganze Zeit Formulierungen durch den Kopf geschwirrt: Ich hatte den kompletten Verriss im Prinzip schon parat im Kopf, und ich hätte mich am liebsten gleich hingesetzt und alles in Grund und Boden geschrieben. Jedenfalls war ich zeitweise ziemlich weit davon entfernt, das Konzert in irgendeiner Weise zu genießen.
Am meisten auf den Sack gingen mir die total durchgeknallten Vancouverites, unter ihnen nicht gerade wenige Discoblondis, die sich benahmen, als stünde da vorne Justin Timberlake oder Robbie Williams, und der jeweilige würde sich gerade das Hemd vom Körper reissen. Da war echt Karneval. Die Leute waren dermaßen aus dem Häuschen! Zwischendurch kam Herr Love mal alleine auf die Bühne und stimmte ein paar besinnliche Akustiknummern an. Schön und gut, nur hörte man davon so gut wie nichts, weil überall gekreischt und geschwätzt wurde.

Ich war also einigermaßen angepisst.

Doch dann ist mir klar geworden, dass es mir selbst ziemlich beschissen ging, dass ich total verkatert war vom Vorabend und mich am liebsten einfach hingesetzt und ne Kippe geraucht hätte, statt in einem Pulk von aufgekratzten Leuten zu stehen. Nachdem ich das begriffen hatte, sah ich auch das Konzert etwas objektiver...

Es war nämlich eigentlich ziemlich geil. Auch wenn die Band ihre besten Stücke ("Baby's got sauce" und "No turning back") einigermaßen verkackte (man wird sie zu oft gespielt haben), ging es schon ziemlich ab. Herr Love sang und rappte richtig gut, spielte außerdem ziemlich geil Gitarre und machte auch Stimmung. Der Typ ist so einer aus der Kategorie "cooler Asi", ein Original halt. Mit dabei war auch der mitunter beste Kontrabassist, den ich je gehört habe, auch wenn er optisch durchaus zu den Zillertaler Schürzenjägern gepasst hätte. Der Drummer war so ein abgebrühter alter Sack und erinnerte mich irgendwie an Rolf Zacher, oder, den Sänger von den Mighty Sleepwalkers. Und dann war noch ein ziemlich gut abgehender Organist dabei.
Die Band groovte und jammte echt cool und es war schon irgendwie klar, dass die Leute tanzen wollten. Die neueren Stücke kannte ich nicht, aber sie waren live auch nicht schlecht, wenn auch in der Mehrzahl ein bisschen eintönig. Aber die meisten älteren Sachen rockten schon gut ab.

Es wäre cool, wenn Herr Love mit Spezialsoße mal nach Europa käme und dann in irgendwelchen kleinen Clubs auftreten müsste, weil er ja da nicht so bekannt ist. Zum Beispiel im Wild Rover würde gut kommen. Aber bitte nicht so ne Rockstar-Athmosphäre. Und bitte Sitzplätze für die verkaterten Konzertbesucher. Und bitte kein Rauchverbot.

Eine Vorgruppe gabs übrigens auch: Marc Broussard mit seiner Kapelle. Leider mussten wir uns das in voller Länge reinziehen. Es war nämlich, wie man hier so schön sagt, eine "pain in the ass".
Wie ich solche Typen hasse! Womanizer mit Holzfäller- bzw. Familienvatervollbart und ausgeworktem Körper macht einen auf Spin Doctor-political correctness, hat vermutlich im ganzen Leben noch nie gekifft und steht da jetzt nur auf der Bühne, weil alle Welt auf Jack Johnson abfährt. Klar, der konnte schon relativ hoch singen und rumquieken und es gibt Leute, die das dann Soul nennen. Aber so dermaßen langweilige und nichtssagende Lieder habe ich noch selten gehört. Vermutlich hat Herr Broussard einen Vertrag mit WDR 2 und darf demnächst die Jingles für die produzieren. Das Ganze war live schon schwer zu ertragen, ich hoffe ich muss den Kack nie von Platte hören. So ein ein verlogener Weichspülerscheiss.
Ich will ja hier gar nichts gegen Jack Johnson sagen. Der Typ is halt ein netter Surfer, der sich ne ziemlich knorke Masche überlegt hat, wie er abends am Lagerfeuer Frauen aufreissen kann. Dass er damit nun auch noch nen Haufen Geld verdient, ist halt einer der komischen Zufälle, die das Leben so parat hält.
Nur Herr Broussard kommt jetzt an und sagt, ja, ich habe aber schon immer so rumgesülzt und jetzt will ich gefälligst auch ein paar Mark damit verdienen und endlich ein paar Schixen abkriegen.
Werte Schixen, tut ihm den Gefallen und reitet ihn in die Hölle!


Boah, wasn Laberflash. Man sieht, ich habe gerade zu viel Zeit.

Bis dann.
3.10.06 01:02


Ende in Sicht...

Gerade habe ich meinen Rückflug gebucht. Am Freitag, 15. Dezember, schlage ich wieder in Deutschland auf.
Nach langem hin und her überlegen erschien mir dieses Datum richtig. Ich hatte ja zwischendurch mal mit dem Gedanken gespielt, deutlich länger hier zu bleiben, aber mir ist da dies und jenes klar geworden.
So schön es hier ist und so sehr ich meine Zeit hier genieße - es ist eine Auszeit, eine sehr lehrreiche natürlich, aber kein neuer Lebensabschnitt. Mein eigentliches Leben, das in Deutschland, wird weiter gehen. Und ich freue mich sogar auch ein bisschen darauf. Denn ich will einiges anders machen, und besser, oder vor allem: richtiger. Ich werde mit einem ganzen Sack voller Pläne wieder kommen.
Und außerdem werde ich dann zum ersten Mal meine neue Nichte sehen, die sich für Ende November angesagt hat
Und endlich das neue Lädchen meiner Mutter, das sie gerade in Eschweiler aufgemacht hat. Und sowieso all die Leute, die ich langsam ein bisschen vermisse!

Das ist jetzt alles noch über 2 Monate hin, aber die Zeit wird schneller rum sein, als man meint. Für jetzt gilt also erstmal, das beste daraus zu machen. Es gibt noch unglaublich viel zu tun, und ich würde am liebsten gleich damit anfangen. Aber wie jedes Jahr, wenn aus Spätsommer beinahe unbemerkt Herbst wird, habe ich mir wieder eine deftige Erkältung eingefangen. Jetzt muss ich hier also erstmal ne Runde rumhängen.
Das ist deswegen ein bisschen doof, weil ich eigentlich gerade auf Jobsuche sein müsste. Hier läuft das ja so, dass man einfach mit dem Lebenslauf in der Hand irgendwo reinmarschiert und sich vorstellt. Naja, wenigstens habe ich mich per Mail für 4 oder 5 Jobs beworben. Das klappt schon.

Übrigens haben wir hier wohl jetzt das, was man Indian Summer nennt. Die Wortschöpfung ist wohl eine Art Entsprechung dessen, was man in Deutschland als "Goldenen Herbst" bezeichnet. Das sieht jedenfalls sehr schön aus.
Wenn ich hier aus dem Fenster schaue, sehe ich einen herrlichen hellblauen Himmel, äh, und auch sonst sehr schöne Farben... (okay, manche wissen um meine Farbenkenntnis...) Also das Meer ist jedenfalls ganz toll dunkelblau und plätschert ein bisschen vor sich hin. Die Tannen sind grün und dieser andere Baum da ist irgendwie braun, glaub ich. WAS SOLL ICH SAGEN?! Es sieht auf jeden Fall alles super aus!!!
Ne, is echt schön. Und die Luft ist schön frisch, aber es ist trotzdem nicht richtig kalt, das heißt, es wäre natürlich toll, wenn ich da jetzt ein bisschen rumlaufen könnte...aber fucking hell, ich muss halt hier rumgammeln. Und alle, die ihre wertvolle Zeit damit totschlagen, das hier zu lesen, müssen es auch noch ausbaden...

Als kleine Entschädigung ein paar ganz raffinierte Smilies. Wie wäre es hiermit?
Oder mit dem?
Auch nich übel:
Der is auch cool:

So jetzt reicht aber für heute. Heute ist nicht alle Tage, wir sehen uns wieder, keine Frage.
4.10.06 00:14


No Milk Today

Cool, jetzt hab ich ner ganzen Reihe Leute endlich mal meine Blog-Adresse verraten - und prompt passiert hier überhaupt nichts mehr, was berichtenswert wäre.

Das liegt hauptsächlich daran, dass aus meiner dummen Erkältung von letzter Woche eine dumme Bronchitis wurde und ich zwischenzeitlich ganz schön in den Seilen gehangen habe. Mittlerweile is es wieder ok, aber es war und ist einfach sterbenslangweilig.

Heute ist hier Thanksgiving und es kann sein, dass unsere kanadische Mitbewohnerin Cecilia uns tatsächlich einen Truthahn auf den Tisch bringt. Toll!

Ich glaube übrigens, dass mein letzter Eintrag ziemlich engagiert bis tschaka-mäßig rüber gekommen sein könnte. Ich war ja bisher weniger für meine ungebändigte Karrieregeilheit bekannt.
Nur wenn man Ende 20 ist und in der Heimat den einen oder anderen entweder recht lukrativen oder/und verantwortungsvollen oder wenigstens echt interessanten Job abgekriegt hat, und dann hier auf die Jobperspektiven eines 16-jährigen Realschülers trifft, kann das auf Dauer schon etwas unterfordern, wenn nicht (wenns ganz hart kommt) sogar ein wenig frustrieren. Und da erfasst selbst jemanden wie mich irgendwann der Blitzehrgeiz!
Naja, so schlimm ist es jedenfalls nicht. Die Jobs, die ich bisher hatte, ließen sich mit ner guten Portion Gleichmut und nicht wenig Humor durchaus leichtfüßig ertragen. Man muss sich halt nur mental in ein früheres Stadium seines Lebens zurück beamen, was mit einigen hier reichlich vorhandenen und problemlos erhältlichen Hilfsmitteln gar kein Problem ist.

Übrigens: Eine Fußnote wert dürfte der Umstand sein, dass in Vancouver Kiffen so gut wie legal ist und dass die Anwohner auch so gut wie keine Gelegenheit auslassen, dies auszunutzen. Es ist z.B. völlig normal, dass man in der Fußgängerzone ständig durch irgendwelche Cannabiswolken läuft, am hellichten Tag. Es gibt sogar downtown einen ganz klassischen Coffeeshop ("New Amsterdam"), wo man sich völlig legal reinsetzen, staatlich geprüftes BC Weed kaufen und in aller Ruhe rauchen kann.



Und gleich nebenan und problemlos zu finden gibt es den unvermeidlichen illegalen Laden , der bis ins Detail an die good old Locations in Eygelshoven erinnert: Man kommt rein, und ein paar Leute stehen Schlange vor einem Schreibtisch, an dem ein fetter, ziemlich unsympathischer und kahlrasierter Asi in aller Seelenruhe Gras abwiegt. In dem kahlen Raum steht zwei Sofas, auf denen die üblichen Gabber-Idioten abhängen. Es gibt zwei Aquarien, eines mit Fischen drin und eins mit einer Schlange. Im Hintergrund läuft nervige Techno-Mucke und in der Ecke sitzt der obligatorische Kampfhund. Der hier ist allerdings echt. Man ist schon froh, wenn man wieder draußen ist.
Die Gesetzgebung ist hier in British Columbia ganz ähnlich wie in den Niederlanden. So richtig legal ist das alles auch nicht, aber auch nicht wirklich illegal, also eigentlich nur geduldet, aber den Gesetzeshütern ist das Ganze auf jeden Fall ziemlich egal.

Ganz lustig ist, dass Tabak hier absolut verteufelt und nur zu horrenden Preisen abgegeben wird, während Grasrauchen offensichtlich weit verbreitet und sogar irgendwie als gesund angesehen wird.
Sollte man also auf die dumme Idee kommen, sich in einem geschlossenen Raum eine Kippe anzuzünden, kann man mit Folter und Zuchthaus rechnen. Neulich beim G. Love-Konzert allerdings zündeten sich eine ganze Reihe Leute um mich herum Spliffs an, also Pur-Tüten. Das war natürlich total ok, weil ja kein Tabak drin war. Und als ich auf Van Island einmal ne Tüte mit Tabak gedreht habe, gabs von einem Typen nen bösen Anschiss, weil ich vor dem Tabak hätte warnen müssen.

Komische Welt hier.

Bis die Tage.
10.10.06 00:21


Thanksgiving

Toll, dieses Kanada! Hier gibt es einen Feiertag, den man Thanksgiving nennt und den natürlich alle schon aus dem Fernsehen kennen oder von ihren amerikanischen Onkels, und den ich deswegen auch nicht näher zu erklären brauche, obwohl ich das auch nicht wirklich könnte, aber es ist ja auch egal.

Jedenfalls hatten wir am Montag so eine Art Thanksgiving-Feier. Die echten Truthähne waren ausverkauft, und stattdessen gab es ein gigantisches Huhn, das wir wohl der kanadischen Hormondoping-Forschung zu verdanken hatten. Die einzige Kanadierin im Haus, Cecilia, machte dazu alles so, wie es angeblich auch in anderen kanadischen Haushalten sein soll. Es schmeckte auf jeden Fall super!

Und dann kamen auch noch drei nette Mädels zu Besuch, die am Tag der Familie nicht zuhause rumschmollen wollten, sondern Gesellschaft suchten. Darunter die Halbindianerin Katana, die aufmerksamen Lesern noch aus einer früheren Episode meiner kleinen Seifenoper bekannt sein dürfte und als einzige auf dem hernach erscheinenden Foto wirklich zu erkennen ist.



Unser kleines Fest artete dann natürlich doch wieder aus, die Damen waren schnell vergrault und am Ende hingen wir drei "Überlebenden" dann wieder total hacke in der Gegend rum, und das nächste Foto wurde geschossen von Cecilia, die uns endgültig als "retarded" abstempelte, aber trotzdem froh war, das niemand ihr tolles Essen in eine Ecke brechen musste (zumindest meines Wissens nach). Offensichtlich waren wir zu diesem Zeitpunkt nicht allzu euphorisch.



Ich glaube, es ging darum, wer jetzt eigentlich schuld daran war, dass sich die ganzen Frauen mal wieder frühzeitig vom Acker gemacht hatten...
11.10.06 09:35


Dead Frog

Kanada ist nur ein bisschen anders als Europa, aber das immer und zu jeder Gelegenheit. Heute ist der Tag unglaublich grau, aber nicht klassisch deprimierend grau, sondern irgendwie weltuntergangsgrau. Was wiederum faszinierend ist. Da guckt man auch ein zweites Mal hin und fragt sich noch immer, was das jetzt wieder soll. Auf jeden Fall ist das wohl die perfekte Voraussetzung dafür, mal wieder einen ganzen Tag zuhause rumzuhängen.

Ich bin noch einen kleinen Bericht schuldig geblieben. Letzten Samstag sind wir mit ein paar Leuten zu einem Konzert von Yo La Tengo gegangen, und es war richtig geil. Der Laden (Richards on Richards) war schon ziemlich cool: Rustikal eingerichtet mit viel dunklem Holz, nicht allzu groß und irgendwie ganz wohnlich. Es hatte irgendwie was Saloon-mäßiges.
Und dann gab es eine verdammt gute Vorgruppe mit dem sinnigen Namen WHY?. Das waren drei Typen, die immer mindestens zwei Sachen auf einmal machten: Der Drummer spielte gleichzeitig Vibraphon und sang mit, der Sänger trommelte mit auf dem Schlagzeug rum, rasselte und klopfte auf allen möglichen Sachen rum, spielte Keyboard (und sang) und der Gitarrist spielte außerdem auf einem Fender Rhodes und sang auch noch. Schon dieses ständige Kuddelmuddel zu beobachten, war den Eintritt wert.
Was die Typen musikalisch zustande brachten, war allerdings auch ziemlich super. Echt abgedrehter Indie-Math Rock-Weird-Folk-Kram mit halsbrecherischen Arrangements und total kranken Texten. Alles in allem: Echt knorke Performance.

Yo La Tengo waren aber auch nicht schlecht, auch wenn ihr Auftritt nicht ganz so spektakulär, dafür aber erwartungsgemäß vielseitig war. Da gab es die beliebten Gitarrenfeedback-Orgien zu bestaunen, aber auch ganz ruhige Nummern, bei denen meistens die Schlagzeugerin sang. Und dann natürlich ständige Instrumentenwechsel, weil ja bei denen auch alle alles machen. Phasenweise ging es extrem ab.
Die Gruppe gibt auch optisch ein faszinierendes Bild ab. Der Bassist ist ziemlich dick und ruhig und erinnert ein bisschen an Stephen King und der Gitarrist ist so ein dünner Derwisch, der offenbar am liebsten sein Instrument schrotten würde. Am beindruckendsten ist aber die Schlagzeugerin, über die Mattes mit gutem Grund sagte: "Die sieht aus wie ne Hausfrau mit zwei Kindern". Da hatte er Recht. Vermutlich hatte sie wirklich erst kurz vorm Konzert die Spülmaschine eingeräumt. Auf der Bühne war sie jedenfalls die coolste von allen, verzog keine Mine und machte am Schlagzeug einen richtig guten Job. Ich würde fast sagen, so eine ebenso gute wie abgebrühte Schlagzeugerin habe ich noch nicht erlebt.
Zum Schluss spielten sie dieses eine Stück, das wir damals mal mit Eisdiele im Schneckes gespielt haben. Mit Aushilfsgitarrist Alex und extrem besoffen, der eine oder andere wird sich (im Gegensatz zu uns) mit einem Schaudern daran erinnern. Jedenfalls musste ich bei diesem Konzert die ganze Zeit denken: Wären wir damals ein Quentchen weniger planlos gewesen, könnten wir jetzt auch da auf der Bühne stehen. In Sachen Lärm können uns Yo La tengo wirklich nichts vormachen. Und begnadete Sänger haben sie auch nicht. Nee, ma ehrlich, das hätten wir auch gekonnt!
Aber es war natürlich supergeil, das Konzert!!!

Anschließend sind wir dann in so einem abgeranzten Blues-Club namens Railway gelandet. Da waren wir schon ziemlich besoffen und wohl auch deswegen total fasziniert von einem Bier, das heißt wie es schmeckt: Dead Frog.



Coolerweise spielte da noch eine Band, deren Namen ich nicht in Erfahrung brachte. Zwei Typen, die mindestens so breit waren wie wir und auf der Bühne ständig Whiskey orderten machten ziemlich authentischen 70er Blues. Das erinnerte ein bisschen an die White Stripes und war auch ähnlich cool. Der Drummer grinste die meiste Zeit bekifft vor sich hin, während der Sänger sich augenscheinlich schon ein wenig auf die Groupies vor der Bühne einschoss. Auf jeden Fall gab der Kerl alles, inklusive auf irgendwelchen Bartischen rumturnen.



Irgendwann war der Spaß dann leider vorbei und alle wurden rausgekehrt. In den Regen, der nun immer öfter vorkommt.

So, jetzt ist hier Mittwoch und ich habe meine erste ernsthafte Finanzkrise hinter mir (vermutlich nicht die letzte...). Vor ein paar Tagen musste ich nach zweieinhalb Wochen ohne Job den Offenbarungseid leisten und einen Notruf nach Eschweiler schicken. Zum Glück machte mein Vater den Retter in der Not!

Unterdessen könnte meine Beschäftigungsmisere mit noch mehr Glück bald ein Ende haben. Ich bin in der zweiten Runde für einen offenbar richtig coolen Job und es sieht wirklich nicht schlecht aus. Mehr dazu, wenn es klappen sollte. Morgen gehts um die Wurst!

Es ist halt einfach ein Kreuz mit den Jobs hier. Die Leute wissen halt, dass man als Ausländer mit Jahresvisum durchaus recht schnell wieder abhauen könnte. An die richtig guten Jobs, die eben auch ein paar Monate Einarbeitung brauchen, kommt man deswegen einfach nicht ran. Die simplen Jobs kriegt man aber auch nicht, weil die Leute wissen, dass man überqualifiziert ist und sich beim nächstbesten Angebot vom Acker machen würde. Beide Einwände sind schon berechtigt. Es ist ja auch tatsächlich so, dass ich jetzt für einen guten Job im Rennen bin und mein potentieller Arbeitgeber davon ausgeht, dass ich mindestens bis nächsten Sommer zur Verfügung stehe. Wir wissen es natürlich besser...

Letzten Freitag haben wir Fußball gespielt und Garret hat sich einen Bänderriss eingefangen. An sich schon ziemlich übel, weil der Kerl jetzt fast gar nix mehr machen kann und die ganze Zeit zuhause rumhängen muss. Noch übler ist allerdings, dass einem die Reisekrankenversicherung erstmal herzlich wenig bringt, weil die die Kosten wohl erst erstatten, wenn man wieder zuhause ist. So hat Garret der ganze Spaß schon jetzt um die 500 Dollar gekostet, also einmal zum Arzt und einmal ins Krankenhaus gehen. Hammerhart!

Zurzeit planen Mattes und ich unsere Abschiedstour, die von Ende November bis zu unserem Flug nach Hause dauern soll. Wenn das alles so klappt, wird das der Wahnsinn...
19.10.06 01:38


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